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Blutverdünnung (Antikoagulation)

Die Gabe eines Medikamentes zur Hemmung der Blutgerinnung wird als Antikoagulation (griech. anti „gegen“ und lat.coagulatio „Zusammenballung“) bezeichnet. Das eingesetzte Medikament nennt man Antikoagulans (Mehrzahl: Antikoagulantien oder Antikoagulanzien), Gerinnungshemmer oder umgangssprachlich Blutverdünner. Bei diesen Stoffen unterscheidet man direkte Antikoagulantien, die direkt mit den Gerinnungsfaktoren reagieren und indirekte Antikoagulantien, welche die Synthese der Gerinnungsfaktoren hemmen. Nötig wird eine Gerinnungshemmung bei Erkrankungen oder Zuständen, bei denen eine Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) vorliegt, um Thrombosen oder Embolien in den Arterien oder in den Venen zu vermeiden bzw. zu behandeln.

Thrombozytenaggregationshemmer wie Acetylsalicylsäure (u. a. ASS, Aspirin®) und Clopidogrel (u. a. Plavix®, Iscover®) werden umgangssprachlich auch als Blutverdünner bezeichnet, sind aber im engeren Sinne keine Antikoagulanzien. Sie hemmen nicht die plasmatische Blutgerinnung, sondern die Eigenschaft der Blutplättchen verklumpen zu können.


Gründe für eine Antikoagulation

Vorbeugend (prophylaktische Indikation)

Vor, während und nach Operationen sowie bei Bettlägerigkeit aus anderer Ursache werden häufig Antikoagulanzien zur Vermeidung von Thrombosen und Lungenembolien eingesetzt. Auch bei Herzkathetereingriffen und der Blutentnahme zur Stammzellapherese sowie (ausserhalb des menschlichen Körpers) in Schlauchsystemen (Dialyse, Herz-Lungen-Maschine) oder Bluttransportröhrchen ist oft eine Hemmung der Blutgerinnung erforderlich.

Als Behandlung (therapeutische Indikation)

Häufigster Grund für eine therapeutische Antikoagulation ist heutzutage das Vorhofflimmern oder -flattern. Bei dieser Herzrhythmusstörung besteht ein erhöhtes Embolierisiko, das bei vielen Patienten durch die Blutverdünnung gesenkt werden muss. Zweithäufigster Grund sind Thrombosen (meist der Beinvenen), hier soll die Antikoagulation in der Akutphase die weitere Ausdehnung der Thrombose und später ein Wiederauftreten (Rezidiv) verhindern. Während die Behandlung bei den meisten Patienten nach einer Thrombose nur für einige Monate erforderlich ist, kann in einzelnen Fällen (z. B. bei wiederholten Thrombosen oder angeborenen Störungen der Blutgerinnung wie APC-Resistenz) eine lebenslange Antikoagulation sinnvoll sein. Patienten nach Herzklappenoperation benötigen immer eine Antikoagulation, bei biologischen Klappenprothesen oft nur für einige Wochen oder Monate, bei Kunstklappen aber in der Regel lebenslang.

Seltenere Gründe sind eine fortgeschrittene Arteriosklerose (z. B. koronare Herzerkrankung, periphere arterielle Verschlusskrankheit oder Verengung der Halsschlagader), ein Herzwandaneurysma oder eine untypische Hämodynamik (z. B. nach Palliativ-OP bei angeborenem Herzfehler).

Medikamente und wesentliche Eigenschaften

Aus der Wirkung der Medikamente ergibt sich auch die wesentliche Nebenwirkung aller Antikoagulanzien. Vor allem bei Überdosierung besteht die Gefahr von Blutungen (Magen-, Nieren oder Hirnblutung).

Cumarine

  • siehe auch Phenprocoumon (Marcumar®, Falithrom®), Cumarine
  • orale Gabe (Tablette)
  • billig
  • gut wirksam in Schlagadern und Venen
  • lang anhaltende Wirkung (nachteilig bei Blutungen oder Operationen)
  • Die Wirkung von Phenprocoumon wird im Blut anhand der INR (früher Quick) überwacht. Dafür sind regelmässige Blutabnahmen notwendig.
  • Bei zuverlässigen chronisch Kranken kann die Überwachung im Wege des Gerinnungsselbstmanagements auf den Patienten übertragen werden. Die notwendigen Testgeräte (z. B. INRatio®, CoaguChek®) werden unter bestimmten Voraussetzungen von den Krankenkassen bezahlt und erlauben dem Patienten eine einfache Kontrolle seiner Therapie. Eine eingehende Schulung ist als Voraussetzung für die Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen erforderlich.

Heparinoide

  • siehe auch Heparin
    • parenterale Gabe (Spritze) 2-3x täglich oder als Dauerinfusion
    • billig
    • gut wirksam in Schlagadern und Venen
    • Die Wirkung lässt schnell nach und kann durch Protamin auch kurzfristig wieder aufgehoben werden
  • Niedermolekulare (=fraktionierte) Heparine
    • parenterale Gabe (Spritze) 1-2x täglich
    • teuer
    • gut wirksam in Schlagadern und Venen
    • Wirkung lässt schnell nach

Andere

Neuere und noch selten eingesetzte Präparate sind zum Beispiel

  • Lepirudin (Refludan®)
  • Ximelagatran (Exanta®)
  • Fondaparinux (Arixtra®).
  • Ca-Komplexbildner, z. B. Citrat oder EDTA, die durch Bindung des Calcium ( Chelat-Komplex ) eine Gerinnung des Blutes verhindern. Vor allem Citratantikoagulation findet vermehrt Einsatz bei kontinuierlichen Nierenersatzverfahren. Der Vorteil ist, dass der Patient von der Antikoagulation ausgenommen ist, eine Gerinnungshemmung findet nur in dem extrakorporalen Kreislauf statt. somit können auch Patienten behandelt werden, die kein Heparin vertragen ( HIT II, SHT ) oder septisch sind.
  • Hirudin, ein Thrombin-Hemmstoff (wird von Blutegeln benutzt).

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Letzte Aktualisierung: 20.3.2008


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