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Krankheiten A-Z: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Hernie (Bruch), Leistenhernie (Leistenbruch)
Eine Hernie (lat. fem. hernia von griechisch hernios Knospe) ist der Austritt von Eingeweiden aus der Bauchhöhle durch eine angeborene oder erworbene Öffnung. Ihr deutscher Name Eingeweidebruch verwendet die Nebenbedeutung von Bruch als Riss. MerkmaleDrei Merkmale weist jeder Eingeweidebruch auf:
Auch Organe (Magen, Dickdarm, Blase), die nur teilweise innerhalb der mit Bauchfell ausgekleideten Bauchhöhle gelegen sind, so genannte retro- oder extraperitoneale Organe, können durch eine Bruchpforte gleiten und nehmen dann eine ihnen aussen anliegende Bauchfelltasche als Bruchsack mit. Diese Hernien werden Gleitbrüche genannt. Mangelernährung, Kachexie bei Tumorerkrankung und Aszites bewirken ebenfalls eine Bauchdrucksteigerung und Bauchwandschwächung und begünstigen so die Entstehung von Bauchwandbrüchen, die dann als symptomatische Hernien bezeichnet werden. Frische Hernien sind meist reponibel (von lat. reponere = wiederherstellen), d. h. durch sanften Druck von aussen kann der Inhalt wieder in die Bauchhöhle zurückgeführt werden. Dieses Manöver wird Taxis genannt und kann bei unkritischer Anwendung und fehlender nachfolgender Überwachung Komplikationen verschleiern. Bruch"zufälle"In der klassischen deutschen chirurgischen Literatur wurden so die Komplikationen bei Eingeweidebrüchen bezeichnet. Die letzten beiden Komplikationen sind hochschmerzhaft und bedürfen einer operativen Therapie innerhalb von 6 Stunden. TherapieoptionenHistorisch ist die Behandlung der Leistenhernie mit einem Bruchband. Aber da nur eine Operation einen bleibenden Erfolg sichert, ist sie heute die Regel. Für die chirurgische Versorgung stehen verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung. Wegen der Gefahr einer lebensbedrohenden Inkarzeration (s.o.) besteht besonders bei kleinen Brüchen eine Indikation zur frühzeitigen Bruchoperation. Eine bekannte Op-Methode ist die nach Shouldice. Hierbei wird die Fascia transversalis (auch unter örtlicher Betäubung möglich) "gedoppelt" und erhält so mehr Stabilität. SymptomeEine Hernie kann je nach Lokalisation durch eine Schwellung auffallen oder unbemerkt bleiben. Dabei können auch Schmerzen auftreten. Bei äusseren Hernien kann ein erhöhter intraabdomineller Druck, z. B. durch Husten oder Bauchpresse, die Hernie hervortreten lassen. ArtenEs werden nach dem Ort ihres Auftretens innere und äussere Hernien unterschieden. Ist die Hernie von aussen zu erkennen, oder führt die Bruchpforte vom Körperinneren in Richtung Haut, spricht man von einer äusseren Hernie. Liegt die Hernie innerhalb des Rumpfes (z. B. vom Bauch in den Brustkorb gerichtet), dann ist sie ohne Hilfsmittel nicht zu entdecken. Man spricht dann von einer inneren Hernie. Innere HernienZwerchfellhernieBeim Zwerchfellbruch (lat. Hernia diaphragmatica) gelangen Teile des Magens oder Dünndarms in die Brusthöhle. Die Zwerchfellhernie selbst verursacht selten Schmerzen hinter dem Brustbein. Häufig aber sind Sodbrennen, nächtlich brennende Schmerzen in der Speiseröhre. Es wird von Refluxkrankheit oder dem Trend folgend von gastroesophageal reflux disease (GERD) gesprochen. Zu grösseren Komplikationen führt eine Zwerchfellhernie beim Säugling, wenn sie bereits im Mutterleib entsteht. Häufig entsteht dieser Defekt während der Zwerchfellausbildung in der 8. - 10. Schwangerschaftswoche und tritt bei ca. 3-4 von 10000 Geburten auf. Über 90 % der angeborenen Zwerchfellhernien sind linksseitig, wobei hauptsächlich der Magen nach oben gleitet. Bei der selteneren rechtsseitigen Form ist häufig die Leber betroffen. Die in die Brusthöhle eingedrungenen Baucheingeweide können die Entwicklung der Lunge behindern. Der Defekt kann bereits während der Schwangerschaft mittels Ultraschall diagnostiziert werden. Zur weiteren und noch genaueren Abklärung besteht in manchen Zentren die Möglichkeit eine fetale Magnetresonanztomographie Untersuchung durchzuführen. In den meisten Fällen ist nach der Geburt eine Korrektur-Operation notwendig, in der die verlagerten Organe wieder zurückverlegt und die Zwerchfellhernie geschlossen wird. Die Überlebenschancen von Feten mit rechtsseitigen Hernien sind deutlich schlechter als von Feten mit linksseitigen Hernien. In ganz bestimmten Fällen (jene mit besonders schlechter Prognose) wird in darauf spezialisierten Zentren versucht, das Lungenwachstum des Feten mittels einer Operation während der Schwangerschaft zu beschleunigen. Auch die postnatale Therapie erfordert viel Erfahrung in einem geübten interdisziplinären Team aus Neonatologie und Kinderchirurgie. Bei drohendem Lungenversagen kann der Einsatz von ECMO (Extracorporale Membranoxygenierung) hilfreich sein um ein Überleben zu ermöglichen. Treitz-HernieBei dieser Art gelangen Darmanteile zwischen Zwölffingerdarm und hinterer Rumpfwand in einen Bereich hinter der eigentlichen Bauchhöhle (Retroperitonealraum). Äussere HernienLeistenhernieDie Leistenhernie (lat. Hernia inguinalis} ist die häufigste Form der Hernie (80 %). Sie treten über dem Leistenband an einer anatomisch vorgegeben Stelle, dem äusseren Leistenring in Erscheinung. Man unterscheidet die
SchenkelhernieSchenkelhernien kommen bei älteren Frauen häufiger vor. Sie machen 95 % der Hernien bei Frauen aus. Sie kommen nach einer Leistenhernien-Operation nach Shouldice oder Bassini natürlich auch bei Männern vor (2-3 %). Die Schenkelhernie tritt unterhalb des Leistenbandes durch die Lacuna vasorum aus. Die Schenkelhernien sind schmerzhafter als die Leistenhernien und klemmen häufig ein. Schenkelhernien sind im Allgemeinen nicht reponibel. In ihnen ist oft nur das Omentum majus und nicht der Darm eingeklemmt. Aber auch mobile Eierstöcke kommen vor. Bei jeder unterhalb des Leistenbandes tastbaren Schwellung sollte eine Schenkelhernie ausgeschlossen werden. Als Differentialdiagnose kommen geschwollene Lymphknoten in Frage. NabelschnurbruchBei einer Omphalocele ist durch eine Bauchwandfehlbildung die Nabelschnur sackartig aufgebläht und Bauchorgane treten durch den Nabel hervor. Nabelbruch
Ein grosser Nabelbruch (hernia umbilicalis)
Nabelhernien (lat. Hernia umbilicalis et paraumbilicalis) treten häufig direkt nach der Geburt im Säuglingsalter auf. Ursache ist die noch nicht vollends ausgebildete Bauchwand im Bereich des Bauchnabels. Diese Säuglingsnabelbrüche haben in der Regel keine Einklemmungstendenz und werden daher mit Bandagierung behandelt. In seltenen Fällen, wenn z. B. durch starkes Schreien des Säuglings die Hernie nicht sofort in die Bauchhöhle zurück gleiten will, kann der Arzt Beruhigungsmittel verabreichen und damit durch die Entspannung des Kindes ein Zurückgleiten des Bruches (Reposition) erreichen. Beim Erwachsenen sind relativ häufig Nabelhernien zu beobachten. Oft haben die Betroffenen keine subjektiven Beschwerden und haben sich auch mit dem vorgewölbten Aussehen des Nabels arrangiert. Bei Nabelbrüchen mit kleiner Bruchpforte kann eine Einklemmung von Bauchorganen auftreten und erhebliche Beschwerden verursachen. Am häufigsten wird das grosse Netz vorgefunden. Besonders bei kleinen Hernien ist Inkarzeration (s. o.) gefürchtet. Zur chirurgischen Versorgung von Nabelhernien existieren viele Techniken. Die Auswahl der richtigen OP-Technik ist von der Grösse der Hernie, der Aktivität des Patienten, dem allgemeinen Gesundheitszustand u. a. abhängig. Hernia obturatoriaEine Hernia obturatoria verläuft durch das Foramen obturatum (Hüftbeinloch), eine mit Bindegewebe verschlossene Durchtrittsstelle zwischen Becken und Oberschenkel. Diese Form der Hernie ist sehr selten und wird, da äusserlich nicht sichtbar, erst durch den Darmverschluss bei Einklemmung erkannt. Epigastrische HernieEin meist schmerzhafter Tastbefund in der Linea alba zwischen Xiphoid und Nabel. Der Tastbefund imponiert als schmerzhafte Fettgeschwulst. (Epi=Vor, gastrisch=Magen) Spieghel'sche HernieHier handelt es sich um eine Hernie, die sich im Bereich des hinteren Blattes der Rectusscheide (Linea semilunaris) in die Bauchdecke hinein erstreckt. Auch sie ist selten und wird oft verkannt. NarbenhernieBei der Narbenhernie (lat. Hernia cicatrica) bildet eine allschichtige Bauchwandnarbe durch ihre fehlenden Elastizität die Bruchpforte. Solche Narben sind nahezu ausschliesslich Folgen früherer Laparotomien. Aufgrund von Verwachsungen ist die Präparation anspruchsvoll und der Langzeiterfolg einer Operation keineswegs sicher. Dennoch ist eine Operation immer anzustreben, da eine Grössenzunahme der Hernie mit der Zeit die Chance einer Heilung immer weiter verschlechtert. Rectusdiastasenennt man das Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskulatur (lat. Musculus rectus abdominis). Eine Operationsindikation besteht nur bei Beschwerden. Sie ist kein Bruch im klassischen Sinn. OperationsverfahrenOffene Operation mittels BauchschnittDer Bruchsack wird über einen Schnitt freigelegt und bis auf Ausnahmen eröffnet. Der Inhalt wird in die Bauchhöhle zurück verlagert, der Bruchsack bis zum Hals präpariert, gekürzt und verschlossen. Danach erfolgt der Verschluss der Bruchpforte durch:
Die einzelnen Methoden unterscheiden sich auch darin, in welcher Schicht der Bauchwand das Netz eingepflanzt wird. So wird gerne bei der Leistenhernie die Methode nach Lichtenstein angewandt. Ein nicht resorbierbares Kunststoffnetz wird nach Reposition des Bruchsacks vor (auf) der Fascia transversalis fixiert. Die Rezidivrate ist ausgesprochen gering. Geschlossene Operation mittels BauchspiegelungDieser Zugang durch die Bauchdecke hat sich auch in der Hernienchirurgie zunehmend etabliert. Zwar haben sich dadurch die Prinzipien der Operation nicht verändert, aber eine Bevorzugung der Netzeinlage zuungunsten der Fasziendopplung oder anderer Nahttechniken ist unverkennbar und methodisch begründet. NachsorgeDie Ausheilung zu einer festen Narbe nimmt bis zu 3 Monate in Anspruch. Zug- und Druckbelastungen, die z. B. beim Heben schwerer Gegenstände, heftigem Husten oder durch abrupte Bewegungen entstehen, sollten möglichst vermieden werden. Je nach Grösse des Bruches, sollten diese Belastungen bis zu 2 Jahren vermieden werden um den Behandlungserfolg zu sichern. Eventuelles Übergewicht sollte möglichst abgebaut werden. Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort eingesehen werden (Autorenliste). Der Artikel steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation. Bitte beachten Sie auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!
Letzte Aktualisierung: 14. November 2006
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